Deutschlands stärkste Jod-Schwefelquellen
Bad Wiessee, Deutschlands stärkste Jod-Schwefelquellen und ihre Anwendung für die Balneo-Phototherapie bei dermatologischen Indikationen
Ein verborgener Schatz neu entdeckt: Das Jod-Schwefel-Bad in Bad Wiessee südlich von München und Bad Tölz am Tegernsee in Oberbayern gelegen, zeigt sich heute frisch renoviert mit über 20 Kabinen für individuelle Wannen- und Sprühbäder in modernster Ausstattung.
Die Geschichte Bad Wiessees als Heilbad sowie die Entdeckung und Erschließung seiner Heilquellen mit den Namen `Adrianus` und `Wilhelmina`, deren Zusammensetzung aus Jod und Schwefel in Deutschland einmalig ist, erfuhren ihre Bedeutung - wie so oft in der Entwicklung historischer Ereignisse – eher durch Zufall:
Im Jahr 1441 entdeckte ein Mönch in St. Quirin am Tegernsee einen goldgelben Streifen im Wasser des Sees, welcher sich später als Petroleum herausstellte. Dieses Steinöl erfreute sich damals zunehmend großer Beliebtheit für therapeutische Einreibungen. Um die Jahrhundertwende stieß jedoch der Niederländer Adrian Stoop während einer Bohrung auf ein intensiv schwefel- und iodhaltiges Thermalwasservorkommen, welches die Grundlage des Aufstiegs von Bad Wiessee als Kur- und Badeort im heutigen Landkeis Miesbach wurde. Es folgte die Erklärung zum Heilbad im Jahre 1922. Aufgrund der stetig steigenden Bedeutung und Beliebtheit hydrothermaler Quellen konnte das Jodschwefelbad in den 70er Jahren bis zu 2000 Behandlungen am Tag durchführen.
Unter den 154 anerkannten Heilbädern und Kurorten in Deutschland existieren 31 mit schwefelhaltigen Quellen. Jede dieser Schwefelheilquellen ist in ihrer Zusammensetzung ein Original. Die Bad Wiesseer Quellen enthalten 7,05 mg freien gelösten Schwefelwasserstoff sowie 75 mg Hydrogensulfid pro Liter Wasser und überschreiten den Mindestwert für schwefelhaltige Quellen von 1 mg/l um das 75fache. Sie sind demzufolge die stärksten Schwefelquellen Deutschlands. Die überaus positive Wirkung der Bäder ist zudem auf den sehr hohen Gehalt von Jodid (40 mg/l) und Fluorid (20 mg/l) zurückzuführen.
Seit Jahrhunderten werden natürliche schwefelhaltige Thermalbäder auf der ganzen Welt aufgrund ihrer entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung, insbesondere auf Haut und Gelenke, eingesetzt. Dass die Wärme des Wassers, welche durch den Schwefelwasserstoff zusätzlich erhöht wird, zu einer körperlich-muskulären und seelischen Entspannung führt, ist ein äußerst angenehmer Nebeneffekt. Dabei erweitern sich die Blutgefäße des gesamten Körpers, einschließlich der Haut, und die Aufnahme von Sauerstoff und Mineralien wird erhöht. Schwefelwasserstoff durchdringt die Zellmembran 100mal schneller als Sauerstoff und sammelt sich in den unteren Schichten der Haut, welche insbesondere bei der Psoriasis Entzündungsprozessen unterworfen sind. Dadurch wird die bei der Erkrankung erhöhte Zellteilungsaktivität gedrosselt und die Schuppung der Haut lässt nach.
Das ebenfalls reichlich vorhandene Iod führt zu einer Auflockerung des Bindegewebes (Narbenerweichung) und verstärkt die oben genannten Effekte des Schwefels. Des Weiteren wirkt es als Antioxidans und Antiseptikum. Dementsprechend gelten Psoriasis vulgaris, chronisches (atopisches) Ekzem sowie Ver¬hornungs¬störungen der Haut (Ichthyosen) als dermatologische Haupteinsatzgebiete der Iod-Schwefelquellen. Zusätzlich stellen entzündliche (Arthritis) und degenerative (Osteoporose, Arthrose und Spondylose) Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen Indikationen für den Einsatz von Iod-Schwefelbädern dar, da diese Gelenkentzündungen hemmen und den Aufbau des Gelenkknorpels unterstützen.
Insbesondere für Patienten mit Psoriasis vulgaris eignet sich die Kombination der Jod-Schwefel-bäder mit dem Zusatz von Sole (Salz) und Molke (Milchsäure), welche die entzündungshemmende und abschuppende Wirkung verstärken.
Weiterhin kann die therapeutische Effektivität der Bäder durch eine anschließende Bestrahlung mit 311 nm-UV-Lampen (Balneo-Phototherapie) intensiviert werden.
Aufgrund der einzigartigen Lage unserer Praxisräume in Tegernsee und Bad Wiessee -
in denen das gesamte Spektrum modernster Dermatologie angeboten wird - bestehen hierfür
optimale Möglichkeiten. Die Ferienregion Tegernsee - Schliersee bietet
aufgrund ihres hohen Erholungswertes auch überregionalen Interessenten die
perfekte Gelegenheit einen mehrtägigen Aufenthalt wahrzunehmen.
Autorin: Dr. Ulrike Winter
CoAutor: Prof. Dr. med. H.W. Kaiser
Der Gebrauch von Schwefelverbindungen in der Dermatologie und Rheumatologie ist seit Jahrhunderten bekannt, in den letzten Jahrzehnten jedoch etwas in Vergessenheit geraten.